top of page

"Downsizing": Arbeit mit Senioren

  • Autorenbild: Nicola
    Nicola
  • 8. Juli
  • 3 Min. Lesezeit

Es kommt die Zeit, da merken wir: Unsere Eltern bzw. Schwiegereltern werden älter.

Und oft sind es wir Frauen, die die „Care-Arbeit“ leisten.

Wusstet ihr, dass wir aus der Generation X (geb. ca. 1965 bis 1980) auch die „Kümmerer-Generation“ genannt werden? Ich bis vor Kurzem auch nicht.

Ich erlaube mir an dieser Stelle die Thüringer Allgemeine zu zitieren:

„[...] Sie (Generation X) trägt eine enorme Verantwortung, treibt Konsumentscheidungen für drei Generationen voran und legt Wert auf Komfort.[...]"

Das nenne ich mal eine Herausforderung. Und während die Verantwortung für die Kinder abnimmt, nimmt sie für die Eltern zu.


Eye-level view of a neatly organized living room with minimalistic decor


Die Situation


Die Eltern leben oft noch in dem Haus bzw. der Wohnung, in dem ihr bzw. euer Partner aufgewachsen seid. Ihre Lebenssituation passt oft nicht mehr zu ihren Bedürfnissen, denn der Alltag ist vielleicht mittlerweile ein wenig beschwerlicher geworden. Und im Alter – ich sehe es in unserer Familie – ist Klarheit und Struktur so wichtig!

Dinge müssen ihren festen Platz haben.

Und: Es muss nicht mehr so viel Besitz sein wie zu der Zeit, als noch 3, 4 oder mehr Personen in diesem Haushalt gelebt haben.


Eine kurze unangenehme Frage von mir an euch:

Habt ihr selbst noch Sachen bei euren Eltern (vielleicht im Keller) gebunkert? Hand auf’s Herz! Weil die Eltern ja so schön viel Platz haben? Erwischt?

 

Um älteren Menschen den Alltag zu erleichtern, brauchen sie alles griffbereit an einem festen Platz. Suchen nervt. Ältere Menschen nervt es mehr denn je. Sie sind im Alter oft ungeduldiger, als sie es in jüngeren Jahren waren.


Und jetzt komme ich als Ordnungscoach ins Spiel.

 

Eine Downsizing-Aktion bei den eigenen Eltern kann schwierig sein, weil es eine hochemotionale Angelegenheit ist und du als „Kind“ mit „drin steckst“. Da sind so viele Dinge mit Erinnerungen verbunden, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll. Oder es geht um Sachen, die hat man einfach schon seit man denken kann. Ob sie gebraucht, geliebt, benutzt werden steht auf einem ganz anderen Blatt.

Und egal, ob es „nur“ um die Vereinfachung des Alltags geht oder, ob ein Umzug in eine kleinere Wohnung ansteht und der Prozess unausweichlich ist: Es ist „tricky“.

 

Ich fungiere hier nicht nur als Ordnungscoach, sondern bin auch eine Art „Mediator“. Ich gehe in diesen Fällen besonders behutsam und sensibel vor. Es ist wichtig im Vorfeld abzuklären, ob du als „Kind“ mit dabei bist. Ich würde es definitiv empfehlen: Denn häufig tauchen während des Aufräumens Dinge auf, die ggf. an dich weitergegeben werden sollen oder dir sogar gehören.


Eine Freundin von mir nennt diese Situation „Geben mit warmen Händen“. Bei diesem Begriff musste ich erst mal schlucken. Aber sie hat absolut Recht: Eltern wollen dir manchmal Dinge vererben, von denen sie denken, dass sie dir Freude machen oder du sie brauchen kannst und halten deshalb an ihnen fest. Da ist ein offenes und klares Gespräch hilfreich. Es ist emotional einfacher, gleich in dieser Situation zu klären, ob du bestimmte Dinge überhaupt haben möchtest oder nicht. Das macht vieles leichter. Für alle Beteiligten. Frei nach dem Motto: „ Das haben wir extra für dich aufgehoben, weil wir dachten, du möchtest es haben“. „Mama, Papa, danke! Aber, nein, danke.“ Klarheit für alle.

Später wird es für dich eventuell sehr viel schwieriger sein, dich von Dingen zu trennen, wenn die Eltern nicht mehr da sind.

 

Das Ziel sollte sein, dass die (Schwieger) Eltern so lange wie möglich glücklich, selbständig und sicher*  leben können, ohne von Altlasten eingeengt zu werden. Denn dann geht es auch uns Kindern gut.

 

*„An das oberste Fach komm‘ ich prima alleine mit der (alten, wackeligen!) Leiter ran." Nö. Mama, einfach NEIN.


Es ist und bleibt eine Herausforderung, aber ich rate dazu, sich zu Lebzeiten mit den Eltern und deren Besitztümern auseinanderzusetzen.


Liebe Grüße

Nicola

 
 
 

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

2 Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen
Valéria
09. Juli

Ein sehr wichtiges und schwieriges Thema.

Gefällt mir

freya1507
08. Juli

Hallo nicola, du hast vollkommen recht. Und du hast mich erwischt, ich hatte auch noch sachen im keller meiner eltern gelagert. Ich bin so froh, dass wir das downsizing schon erledigt haben, als meinem mama vom haus in eine whg gezogen ist. Dazu haben sich meine cousinen, tanten und meine freundinnen alle zusammen bei meiner mama getroffen, sie haben alle mit beim packen und ausmisten geholfen. Und dabei durfen sie sich schaetzchen aussuchen. Das war fuer alle ein schoenes erlebnis, und meine mama hat sich gefreut, dass viele sachen ein neues zuhause gefunden haben. Da fiel ihr das weggeben leichter. Und jetzt wo meine mama gestorben ist, wenn ich dann in haushalte komme, wo ich stuecke von uns sehe, un…

Gefällt mir
bottom of page