Der Stuhl im Schlafzimmer


Ich möchte ja in meinem Blog möglichst über Themen schreiben, die viele von uns kennen sich damit auch identifizieren können. Zu diesem Thema hat mich eine liebe Freundin inspiriert, die vor einiger Zeit zu mir meinte: „Du könntest doch mal was über „den Stuhl im Schlafzimmer“ schreiben. Absolut, meine Liebe! Ich hatte sofort Bilder im Kopf. Und ich bin mir sicher: Ihr auch!
Jeder kennt das besagte Möbelstück und nutzt es. Wer ohne Schuld ist, werfe die erste Socke!
Es gibt verschiedenste Varianten. Und er ist ein treuer Begleiter durch unser Leben:
Der Stuhl im Schlafzimmer!
Er ist da. Unauffällig, unaufdringlich und eigentlich immer begraben unter Kleidungsstücken, die für den Wäschekorb noch zu „gut“ sind, aber für den Schrank irgendwie nicht „gut oder frisch“ genug oder , denn wir haben diese Sachen ja schon einen Tag lang getragen.
Ich habe meinen treuen Begleiter auch die meiste seines Lebens nicht gesehen. Und wenn, dann nur teilweise.
Bei mir ist es seit Teenagerzeiten ein Stuhl, den ich mir einmal von dem Verdienst eines
Sommerferienjobs geleistet habe (150,- DM!). Es war meine wilde „Rattanmöbelphase“ und ich wollte unbedingt einen schicken Korbstuhl statt meines ollen Schreibtischstuhls. Damals hat mein
Rücken das auch noch kommentarlos mitgemacht, denn mal unter uns: wirklich bequem war er irgendwie nie. Aber was muss, das muss.
In meiner ersten eigenen Wohnung – einer kleinen 1-Zimmerwohnung war er – wie auch vorher schon - gleichzeitig mein Schreibtischstuhl. Und die Klamotten über der Lehne waren wirklich angenehm weich im Rücken. Quasi eine Win-Win-Situation. Und wenn ich Besuch hatte, wurde er kurz von der geparkten Kleidung befreit und durfte am Geschehen teilhaben.
In meiner zweiten Wohnung (im fernen Hagen in NRW) wurde er im Schlafzimmer für ca. 3 Jahre vom Fußteil meines Metallbettes (vom „großen Schweden“) entlastet. Da konnte ich prima alles über diese Gitterteil drapieren. Sehr praktisch. Sah halt doof aus. Wobei diese „Stuhl/getragene Kleidung-Installation“ sieht immer irgendwie blöd aus.
Nächste Wohnung – Neue Chance
Nicht.
Gitterfußteil vom Bett und Korbstuhl teilen sich jetzt einvernehmlich (oder gezwungenermaßen?) den „Job“. Das nennt man vermutlich Job-Sharing.
Bei meiner nächsten Bleibe handelte es sich um eine kleine Maisonette-Wohnung mit Wendeltreppe und:
Geländer!!!
Ideal um die Sportsachen drüber zu werfen. Natürlich „zum Auslüften“. Wochenlang. Genial!
Missversteht mich nicht: Das Fußteil und den Korbstuhl gab es natürlich immer noch. Hallo? Das Treppengeländer war eine zusätzliche Option, kein Ersatz!
Nächste Wohnung:
Wieder Jobsharing zwischen Fußteil Bett und Korbstuhl. Kein Geländer mehr. Schade.
Hatte ich eigentlich erwähnt, dass Kleiderschrank und Wäschekorb in allen Wohnungen keinen Meter von der „Übergangsbleibe“ meiner getragenen Klamotten entfernt war? Nicht? Naja, dann wisst ihr es jetzt. Was die Sache an sich nicht weniger peinlich macht.
Die aktuelle Wohnung: Der Durchbruch – fast
Nächste Wohnung. Ich merke gerade: Ich bin echt oft umgezogen. Ich glaube es waren tatsächlich 6 Umzüge zuzüglich 2 bis 3 „Zwischenstationen“. Ich bin Profi! Leider haben mich meine schlechten Angewohnheiten hinsichtlich meines Klamottenthemas immer überallhin mit begleitet. Entkommen zwecklos.
Aber zurück zum Thema:
In meiner jetzigen Wohnung habe ich die luxuriöse Situation, dass das Bett in einem anderen Zimmer steht als meine Klamotten wohnen. Somit ist das Fußteil jetzt „in Rente“.
Der Stuhl (es ist natürlich nach wie vor der Korbstuhl!) steht in einem separaten Zimmer mit einem offen Schranksystem vom „Schweden“. Neben dem Stuhl steht DIREKT der Wäschekorb.
Aber: Ohne funktionierendes System gibt es keine Veränderung. Das war klar.
Also gilt seit einiger Zeit folgende Regel:
Was am Abend in diesem Zimmer ausgezogen wird, kommt entweder
1. direkt in den Wäschekorb
oder
2. wird auf einen Bügel gehängt, lüftet über Nacht aus (am Schrank/Regal oder draußen auf
Terrasse oder Balkon) und wird am nächsten Morgen direkt wieder zurück zu den anderen
Kleidungstücken gehängt/gelegt etc. Dabei spielt es keine Rolle, ob es ein geschlossener
Schrank oder ein offenes System ist.
Sollte das Urteil lauten: kleiner Fleck, der mit der Hand schnell ausgewaschen werden kann, dann ab damit ins Bad und am nächsten Tag in Ordnung bringen.
So, was ist jetzt anders als die 35 Jahre zuvor? Na? Wer weiß es? Wer weiß es?
Jawoll: Ich treffe eine Entscheidung und verschiebe sie nicht „auf später“. Denn wann
ist dieses „Später“? Am Wochenende? Wenn ich wie vielleicht viele von uns auch noch den restlichen Haushalt erledige? Wenn die „geparkten“ Klamotten vom Rumliegen schon so zerknittert sind, so dass sie am Ende doch im Wäschekorb landen?
Es ist so einfach: System etablieren und Entscheidungen treffen. Nicht mehr und nicht weniger.
Mein Stuhl hat mittlerweile auch ein hübsches Kissen bekommen, das ich jetzt auch wirklich
regelmäßig sehe.
Ich werde ihn für immer in Ehren halten. Wir haben schließlich eine gemeinsame Geschichte!
Ihr habt auch so einen Stuhl, oder?




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